Haushaltsrede 2026 der FWV-Fraktion

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Barth,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

Zuversicht ist kein Gefühl – Zuversicht ist eine Entscheidung

Haushaltsreden schreibt man nicht, weil es Spaß macht – sondern weil es notwendig ist.
Und wenn man sich derzeit in der Welt umschaut, könnte man sehr schnell auf den Gedanken kommen: „Es wird doch alles immer komplizierter.“

Krisen, Kriege, wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Kosten, immer mehr Aufgaben – und am Ende bleibt doch vieles an den Kommunen hängen.
Manchmal hat man den Eindruck, es wird in Berlin oder Stuttgart beschlossen – aber bezahlt und umgesetzt wird es am Ende in Denkendorf.

Und genau da liegt der Punkt: Wir können nicht alles beeinflussen. Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen.

Zuversicht bedeutet für uns nicht, dass wir nur hoffen, dass alles irgendwie gut wird.
Sondern Zuversicht bedeutet: Wir schauen der Realität ins Gesicht – und handeln.

Oder, um es bildlich zu sagen: Wenn man bei starkem Gegenwind unterwegs ist, bringt es nichts, sich über den Wind aufzuregen. Man muss den Kurs halten – und manchmal auch die Segel anpassen.

Genau das ist die Aufgabe unseres Haushalts: Kurs halten – aber mit Augenmaß.

Haushaltsplanung 2026

Solide, verantwortungsvoll, aber mit neuen Herausforderungen

Der Haushaltsplan 2026 zeigt: Denkendorf ist weiterhin gut aufgestellt.
Wir haben in den letzten Jahren nicht über unsere Verhältnisse gelebt, wir haben investiert – und wir haben gleichzeitig darauf geachtet, dass die Gemeinde handlungsfähig bleibt.

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Steuern bleiben unverändert. Gebühren werden nicht erhöht (kleine Ausnahme: die moderrate Anpassung der Wassergebühr)

Das ist in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit – und es ist aus Sicht der FWV auch ein wichtiges Signal an die Bürgerinnen und Bürger: Denkendorf bleibt verlässlich.

Gleichzeitig müssen wir uns aber auch ehrlich machen: Der Haushalt 2026 ist nicht ausgeglichen. Im Ergebnishaushalt steht ein Minus von rund 1,8 Millionen Euro. Positiv ist allerdings, dass sich das laufende Haushaltsjahr 2025 deutlich besser entwickelt als ursprünglich angenommen.

Gleichzeitig ist klar: Die Luft wird nicht dicker. Die Aufgaben wachsen, die Standards steigen, und manche Ausgaben sind schlicht nicht mehr so kalkulierbar wie früher.

Und auch der Blick in die mittelfristige Finanzplanung zeigt: Die kommenden Jahre werden für Denkendorf finanziell nicht einfacher.

Umso wichtiger ist es, dass wir auch 2026 weiter einen Weg gehen, der für Denkendorf dauerhaft tragfähig ist.

Familien, Kinderbetreuung, Schule

Ein klarer Schwerpunkt bleibt auch 2026: Kinder, Betreuung und Bildung.
Denn alles, was wir hier investieren, ist keine Ausgabe – sondern Zukunftssicherung.

Wir wissen: Der Bedarf steigt. Und wir wissen auch: Gute Betreuung hängt nicht nur von Gebäuden ab, sondern ganz entscheidend von Personal – und genau das wird überall knapper.

Deshalb sagen wir als FWV auch dieses Jahr ausdrücklich Danke an unsere beiden Träger:
den evangelischen Kleinkinderpflegeverein und die katholische Kirchengemeinde.
Diese Zusammenarbeit ist ein echter Standortfaktor für Denkendorf.

Mit dem neuen Kinderhaus „Alter Eichwald“ ist hier in den vergangenen Monaten ein wichtiger Meilenstein erreicht worden – und ein deutliches Zeichen, dass Denkendorf seine Verantwortung für Familien ernst nimmt.

Zusätzlich steht ab 2026 die Weiterentwicklung der Ganztagsbetreuung in der Grundschule als Rechtsanspruch im Raum. Das wird organisatorisch und finanziell eine große Aufgabe.

Im Frühjahr 2026 wird hierzu erneut eine konkrete Bedarfsabfrage durchgeführt. Wir bitten alle betroffenen Eltern, sich ernsthaft an dieser Umfrage zu beteiligen und uns eine konstruktive Rückmeldung zu geben. Denn neben der pädagogischen Entwicklung ihrer Kinder hat die Wahl des jeweiligen Ganztagsangebots auch direkte finanzielle Auswirkungen für die Familien.

Die unterschiedlichen Angebotsformen und die Entscheidung darüber, welche Art von Ganztagsschule umgesetzt wird, beeinflussen die Finanzierung unmittelbar. Nur auf Grundlage einer breiten und verlässlichen Rückmeldung kann der Gemeinderat fundiert planen, welche Struktur die Ganztagesbetreuung in Denkendorf künftig haben soll.

Unser Anspruch ist: Eine Lösung, die verlässlich und fair ist – auch wenn sie nicht jede Einzelerwartung erfüllen kann.

Bezahlbarer Wohnraum

Der Druck auf dem Wohnungsmarkt bleibt hoch. Mit Entwicklungen wie dem neuen Wohngebiet Wasserreute und weiteren potenziellen Flächen eröffnen sich zwar neue Möglichkeiten – doch bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht von selbst.

Gerade die Entwicklung des ehemaligen Bauhof-Areals zu einem neuen Wohnquartier bietet für Denkendorf eine wichtige Chance, hier aktiv gegenzusteuern.

Wir als FWV bleiben dabei bei unserer klaren Linie: Auf gemeindeeigenen Flächen sollen gezielt bezahlbarer Wohnraum sowie auch Formen des Mehrgenerationenwohnens ermöglicht werden, sofern sich hierfür entsprechende Interessenten zusammenfinden.

Und wir erwarten, dass Förderprogramme konsequent geprüft werden.

Gleichzeitig müssen wir Partnerschaften mit Investoren so gestalten, dass am Ende für Denkendorf etwas Gutes herauskommt – nicht nur auf dem Papier.

Ein wichtiger Rückenwind für diese Entwicklung ist auch die erfolgreiche Aufnahme Denkendorfs in die Städtebauförderung für das Gebiet „Mittleres Oberdorf“. Das ist ein starkes Signal – und eröffnet uns zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten.

Wirtschaft und Gewerbe

Denkendorf braucht starke Betriebe. Gewerbe schafft Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze und Stabilität – und bildet damit eine unverzichtbare Grundlage für die Entwicklung und Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde.

Unser Dank gilt den Unternehmerinnen und Unternehmern vor Ort, die mit ihrem Engagement und durch ihren Beitrag über die Gewerbesteuer Verantwortung für Denkendorf übernehmen. Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich und verdient unsere ausdrückliche Anerkennung.

Beim Gewerbegebiet „Nördlich Albstraße“ gilt für uns: Qualität vor Schnelligkeit.

Die Erschließung ist abgeschlossen und die Vermarktung hat begonnen – ein wichtiger Schritt, insbesondere auch für ortsansässige Betriebe.

Wir wollen dort Unternehmen, die zu Denkendorf passen – wirtschaftlich und auch im Umgang mit Flächen und Verkehr.

Ein weiterer wichtiger Baustein für die Zukunft unseres Standorts ist das geplante Gesundheits- und Therapiehaus. Eine moderne medizinische Versorgung vor Ort ist nicht nur ein Standortfaktor, sondern ein echtes Stück Lebensqualität – gerade für ältere Menschen und Familien.

Mobilität und ÖPNV

Für Denkendorf ist eine verbesserte Anbindung an den regionalen ÖPNV von zentraler Bedeutung. Im Rahmen der laufenden Machbarkeitsstudie zur Verbindung Ostfildern–Esslingen sehen wir grundsätzlich die Chance, Denkendorf perspektivisch an eine schienengebundene Lösung anzubinden – auch wenn klar ist, dass eine Umsetzung noch einen längeren Zeithorizont haben wird.

Unabhängig davon möchten wir anregen, ergänzend über alternative Verkehrssysteme nachzudenken. Für ein vergleichsweises kurzes Verbindungsstück, etwa vom Rand Denkendorfs zu einer möglichen Haltestelle in Esslingen-Berkheim, könnte eine Seilbahn eine ernstzunehmende Alternative zur klassischen Schienenanbindung darstellen.

Eine solche Lösung ließe sich mit deutlich geringerem Flächenverbrauch, überschaubaren Investitionskosten und einem vergleichsweise einfachen Betrieb realisieren und könnte somit eine wirtschaftlich wie auch städtebaulich verträgliche Ergänzung für unsere Gemeinde sein. Auch wenn dies auf den ersten Blick eine kühne Vision sein mag, zeigen Beispiele aus mehreren Großstädten, dass Seilbahnen bereits erfolgreich betrieben werden oder sich in konkreter Planung befinden.

Freibad Denkendorf

Auch in diesem Jahr kommen wir an einem Thema nicht vorbei: Unserem Freibad.

Das Freibad ist für Denkendorf keine freiwillige Spielerei, sondern ein wichtiger Bestandteil unserer Infrastruktur – für Familien, für Vereine und nicht zuletzt dafür, dass Kinder schwimmen lernen können.

Dass ein Freibad Geld kostet und sich nicht selbst trägt, war uns allen immer bewusst.

Neu ist jedoch die Dimension der anstehenden technischen Sanierung. Die Technik im Untergrund ist in die Jahre gekommen, und wir stehen vor einer notwendigen Erneuerung mit einem Investitionsvolumen von rund 7,5 Millionen Euro.

Für uns als Freie Wählervereinigung ist klar: Wir stehen zum Erhalt unseres Freibads und sind bereit, diesen Weg in Denkendorf gemeinsam zu gehen. Zugleich erwarten wir durch die technische Erneuerung und die Sanierung auch eine deutlich bessere Energieeffizienz, die künftig dazu beitragen wird, den Energieverbrauch und damit die laufenden Betriebskosten spürbar zu senken.

Gleichzeitig halten wir es für richtig und notwendig, weiterhin konsequent Fördermittel – insbesondere aus Programmen von Bund und Land für Sportstätten und Schwimmbäder – einzuwerben. Uns ist dabei aber auch bewusst, dass diese Programme stark überzeichnet sind.

Entscheidend ist für uns deshalb vor allem eines: Denkendorf muss und wird in der Lage sein, seinen eigenen Finanzierungsanteil zu leisten. Fördermittel können helfen, die Belastung zu reduzieren. Der politische Wille in Denkendorf ist jedoch, dieses wichtige Projekt verantwortungsvoll umzusetzen – mit Augenmaß, klaren Prioritäten und einem verlässlichen Finanzierungskonzept.

Einen wichtigen Beitrag zum Gelingen dieses Projektes können und dürfen auch alle Bürgerinnen und Bürger ganz konkret leisten: In Form von Beteiligung und Initiativen wie beispielsweise Crowdfunding, Spendenaktionen oder anderen kreativen Ideen, mit denen ein Beitrag zur Finanzierung des Freibades erlöst werden kann. Ganz nach dem Motto: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst.“

Wir sind überzeugt: Wenn wir diesen Weg gemeinsam und sachlich gehen, sichern wir die Zukunft unseres Freibads in Denkendorf.Formularbeginn

 

 

Ehrenamt und Gemeinsinn

Denkendorf funktioniert, weil Menschen anpacken – Denkendorf lebt vom Ehrenamt.
Von Menschen, die Verantwortung übernehmen, die organisieren, trainieren, helfen, trösten, aufbauen – und zwar ohne großes Aufsehen.

Ob Vereine, Kirchen, Feuerwehr, Rettungskräfte oder soziale Initiativen: Ihr Engagement ist nicht „nice to have“. Es ist das Rückgrat unserer Gemeinde.

Unser Dank gilt ebenso den Mitarbeitenden der Verwaltung und des Bauhofs, die täglich dafür sorgen, dass Entscheidungen umgesetzt werden und Denkendorf funktioniert – oft im Hintergrund, aber immer mit großer Verantwortung.

Schlusswort

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Barth,
meine Damen und Herren,

Zuversicht heißt für uns auch: Stabilität nicht als selbstverständlich zu nehmen.

2026 ist ein Jahr, in dem wichtige Entscheidungen anstehen – und dazu gehört auch die Landtagswahl. Wir erwarten von der Landespolitik, dass die Kommunen nicht nur als Ausführungsorte gesehen werden, sondern als das, was sie sind: Das Fundament unseres Zusammenlebens. Wer von kommunalen Lösungen spricht, muss auch bereit sein, kommunale Aufgaben verlässlich und dauerhaft zu finanzieren.

Und auch in Denkendorf selbst steht eine wichtige Entscheidung an: Die Bürgermeisterwahl.
Dass Herr Bürgermeister Barth erneut kandidiert, steht aus unserer Sicht für Kontinuität und Verlässlichkeit. Wir erleben eine sachliche, lösungsorientierte Führung der Verwaltung – und eine konstruktive Zusammenarbeit, die geprägt ist von Pragmatismus und Verantwortung für Denkendorf. Das ist in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit.

Und deshalb gehört zur Zuversicht auch ein ganz einfacher Punkt: Gehen Sie wählen.

Wahlen sind keine Pflichtübung – sie sind die Grundlage dafür, dass Demokratie funktioniert. Eine starke Wahlbeteiligung stärkt nicht einzelne Personen oder Parteien, sondern unsere Gemeinde und unser gemeinsames Miteinander.

Unabhängig von einzelnen Personen möchten wir aber vor allem eines betonen:
Wahlen sind ein zentraler Bestandteil unserer Demokratie. Sie geben den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, Verantwortung mitzutragen und mitzuentscheiden.

Gehen Sie wählen – stärken Sie damit unsere Demokratie, auf Landesebene wie hier vor Ort in Denkendorf.

Denkendorf steht 2026 solide da. Steuern bleiben stabil, Gebühren werden nicht nennenswert erhöht. Wir investieren weiter in das, was wirklich zählt: Familien, Infrastruktur und Zukunftsfähigkeit.

Und mit dem Freibad haben wir eine Herausforderung vor uns, die groß ist – aber lösbar, wenn wir sie gemeinsam anpacken und die richtigen Partner und Förderwege finden.

Die Zukunft ist nicht vorherbestimmt – sie entsteht durch unsere Erwartungen, unser Handeln und die Entscheidungen, die wir heute treffen.

Lassen Sie uns das auch 2026 tun: realistisch, verantwortungsvoll – und mit Zuversicht.

Die Fraktion der Freien Wählervereinigung stimmt der Haushaltsplanung 2026 sowie der mittelfristigen Finanzplanung zu und stellt keine haushaltsrelevanten Anträge.

 

Vielen Dank.

Frank Obergöker
Vorsitzender der Gemeinderatsfraktion
Freie Wähler Denkendorf e.V.